Synthetische vs. natürliche Inhaltsstoffe: Was macht den Unterschied?

Beauty klingt für viele nach einem oberflächlichen Thema. Doch die Beauty-Produkte, die wir benutzen, dringen bis tief unter die Oberfläche. Jeden Tag gelangen durchschnittlich ein Dutzend verschiedener Produkte auf unsere Haut. Bis zu 60 Prozent davon werden in tiefer liegende Gewebe, manche sogar bis in den Blutkreislauf, absorbiert. In dieser Hinsicht ist unsere Haut eher ein saugfähiger Schwamm als eine zuverlässige Schutzbarriere. Wenn du also zu den Menschen gehörst, die darauf achten, was in ihren Körper kommt – zum Beispiel, indem du schädliche Chemikalien und synthetische Stoffe von deinem Teller fern hältst – dann lohnt es sich, auch auf deine Kosmetikprodukte einen genauen Blick zu werfen. Denn Kosmetika können genauso in deinen Körper gelangen wie deine Nahrung. Chemische Hautpflegeprodukte werden erst seit ein paar Jahrzehnten am Menschen getestet und stehen oft im Verdacht, Langzeitschäden wie Allergien und sogar einige Krebsarten zu verursachen.

Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik

Viele Menschen kaufen inzwischen bewusst “natürliche” Hautpflegeprodukte, weil sie für die Gesundheit unbedenklicher sind als konventionelle, chemie-belastete Produkte. Aber es ist nicht immer leicht zu erkennen, welche Produkte tatsächlich rein natürlich hergestellt werden. Immerhin hat die EU inzwischen eine Liste von über 1.300 synthetischen Chemikalien in Kosmetika veröffentlicht, die Hersteller möglichst vermeiden sollen. Für Verbraucher ist diese Liste ein nützliches Entscheidungskriterium. 

Doch die großen Kosmetikhersteller haben die Nachfrage an natürlichen und “cleanen” Beauty-Produkten inzwischen auch erkannt. Sie werben deshalb oft damit, dass ihre Produkte frei von Aluminium oder Parabenen sind. In Wirklichkeit opfern sie lediglich hier und dort ein paar Chemikalien, um den Verbrauchern Natürlichkeit zu vermitteln. Dabei sind die meisten Hersteller immer noch weit davon entfernt, wirklich natürliche Produkte herzustellen.

Weil Naturkosmetik aber immer beliebter wird, ist es für Hersteller verlockend, Begriffe wie "natürlich" oder "vollkommen natürlich" auf ihren Etiketten zu verwenden – selbst wenn natürliche Inhaltsstoffe nur einen kleinen Teil der Inhaltsstoffe eines Produkts ausmachen. Für alle, die ihre Haut vor bedenklichen Chemikalien schützen wollen, ist es daher sinnvoll, Produktetiketten darauf zu überprüfen, wie viel Prozent der Inhaltsstoffe wirklich natürlich sind. Experten sind der Meinung, dass die Bezeichnung "natürlich" Produkten vorbehalten sein sollte, die zu mindestens 80 Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen. Dieser Standard hat sich leider noch nicht durchgesetzt. Und selbst in diesen Fällen können die restlichen 20 Prozent aus synthetischen Inhaltsstoffen bestehen.

Eine Ressource, um fundierte Kaufentscheidungen zu treffen, ist die Skin Deep Cosmetics Database (ewg.org/skindeep) der Environmental Working Group. Sie bewertet verschiedene handelsübliche Kosmetika hinsichtlich ihrer Natürlichkeit und Sicherheit.

Warum ist Naturkosmetik so teuer?

Man könnte meinen, dass Naturkosmetika bloß deshalb teurer sind, weil sie als Luxusprodukte verkmarktet werden. Aber das ist in der Regel nicht der Fall.

Konventionelle Kosmetikhersteller bevorzugen synthetische Chemikalien schon aus dem Grund, weil sie kostengünstiger in der Produktion sind. Synthetische Stoffe mit dem gewünschten Pflegeeffekt lassen sich in der Regel preiswerter und simpler im industriellen Maßstab produzieren.

Die Erforschung und Entwicklung von Kosmetikprodukten, die funktionieren, lange haltbar sind, gut aussehen, gut riechen, und sich gut anfühlen, ist mit Chemikalien einfacher. Die gleichen Ziele mit rein natürlichen Inhaltsstoffen zu erreichen, ist deutlich komplizierter. 

Möchte man zum Beispiel eine Hautpflege entwickeln, das sonnengeschädigte Haut regeneriert, braucht man natürliches Vitamin C als Inhaltsstoff. Vitamin C unterstützt UV-geschädigte Haut bei der Heilung. Doch Vitamin C allein ist ein instabiler Stoff, der schnell zerfällt und seine Wirksamkeit verliert. Inzwischen haben Forscher*innen aber herausgefunden, dass man die Wirkung und Haltbarkeit von Vitamin C verbessern kann, indem man es mit einer pflanzlichen Verbindung namens Ferulasäure und Vitamin E kombiniert. 

Eine weitere natürliche Substanz, die in Hautpflegeprodukten nur schwer wirksam eingesetzt werden kann, ist Hyaluronsäure, ein leistungsfähiger Feuchtigkeitsspender. Wenn das Kosmetikprodukt nicht auf besondere Weise formuliert ist, wird die Hyaluronsäure von anderen Wirkstoffen deaktiviert und bleibt unwirksam. Um Hyaluronsäure in Kosmetika einsetzen zu können, muss man deshalb ihre Wirkweise ganz genau verstehen. Die Forschung und Entwicklung, die diese Art von Erkenntnissen liefert, ist teuer. Doch einige Marken haben das nötige Geld und die Arbeit investiert, um leistungsstarke natürliche Alternativen zu finden.

Die Beschaffung von reinen, natürlichen Inhaltsstoffen in großen, kommerziellen Mengen kann ebenfalls eine kostspielige Angelegenheit sein. Die Natur produziert natürliche Inhaltsstoffe von gleichbleibender Qualität nicht am Fließband. Für ein Pfund ätherisches Rosenöl beispielsweise werden Tausende Pfunde teurer Rosenblüten benötigt.

Naturkosmetik ist in der Regel aber nicht bloss so formuliert, dass sie für den Verbraucher sicher ist. Sie wird oft auch umweltfreundlich verpackt, so dass die leeren Gefäße später ohne Bedenken weggeworfen werden können. Glasbehälter sind eine beliebte Alternative die bei natürlichen Hautpflegeprodukten regelmäßig zum Einsatz. Allerdings ist Glas in der Herstellung etwa 10 Mal teurer als Plastik. Manche Naturkosmetikhersteller entscheiden sich auch für andere unkonventionelle Verpackungslösungen. Einige verkaufen ihre Produkte zum Beispiel in fester Form statt als Gel oder Flüssigkeit, um die Haltbarkeit zu verlängern. Diese neuen Möglichkeiten sind kostspielig in Forschung und Umsetzung.

Natürliche Produkte sind besser für die Umwelt

Synthetische Hautpflegeprodukte enthalten Chemikalien, die in kleinen Mengen nicht unbedingt schädlich für die Haut sind, aber bei längerer und wiederholter Anwendung potenziell bedenklich sind. Da Millionen von Menschen diese Produkte über Jahre hinweg auf ihrer Haut verwenden und sie jeden Tag abwaschen, gelangen diese Chemikalien auch in die Umwelt. Phthalate, die mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht werden, Triclosan, das im Verdacht steht, zu Antibiotikaresistenzen bei Mikroben beizutragen, Mikroperlen, die Gewässer verschmutzen – all das sind Substanzen, die Umweltexperten aus der Umwelt entfernen wollen. Reine Naturkosmetik hilft dabei, dieses Ziel zu erreichen.

Wenn es um Hautpflege geht, sind natürliche Produkte also die einzig wirklich nachhaltige Alternative. Sie sind nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Umwelt sicherer. Egal, wie man es betrachtet, sich von fragwürdigen Substanzen in der Hautpflege zu verabschieden, ist die einzig vernünftige Entscheidung.

Brewing Beauty Co.